Heute gab es im Wirtschaftsteil der “Berliner Zeitung” ein Interview mit dem Sozialwissenschaftler Prof. Stephan Lessenich. Titel: “Sanktionen für Arbeitslose abschaffen”, “über fehlende Jobs, Grundeinkommen auch für Nichtstuer und veraltete Wachstumsgläubigkeit.”
Der Autor wendet sich gegen die “Kriminalisierung” von Arbeitslosen, da das vom einem Grundproblem in unserer Gesellschaft ablenkt. Und dieses ist: Es gibt in den entwickelten kapitalistischen Gesellschaften nicht mehr genügend Arbeitsplätze, die ein finanziell abgesichertes Leben ermöglichen. Alle bisherige Betrachtung des Arbeitslosenproblems geschieht auch bis heute durch die konjukturelle Brille. Frei nach dem Motto, dass es irgendwann wieder aufwärts geht mit den Arbeitsplätzen, wenn die Konjunktur wieder anspringt.
Der Anbetung des Wirtschaftswachstums durch die Politik steht die Hilflosigkeit beim Umgang mit den Konsequenzen dieser Entwicklung gegenüber. Vielleicht irgendwie verständlich, weil es bisher immer funktioniert hat. Doch das Verschwinden auskömmlicher Arbeitsplätze ist eine Entwicklung, die sich nach Prof. Lessenich seit 30 Jahren vollzieht. Der Niedriglohnsektor wird das Problem nicht lösen und auch nicht das Wachstumsbeschleunigungsgesetz.
Und wer wirft nun den ersten Stein in Richtung Realität? Wäre das nicht politischer Selbstmord? Vielleicht. Aber sicher sicher zielführender als die jetzige unsägliche Diskussion “unerbittlicher Aufklärer” über die ohnehin schon Ausgestoßenen.
Weil es gerade aktuell ist, sowohl seismische als auch politische Spannungen treten an den Rändern auf, den Rändern von tektonischen Platten, als auch an “Rändern” der Gesellschaft. Seismologen und Politiker wissen nicht wann es zu Bruch kommt. Aber Seismologen versuchen etwas dagegen zu tun. Tun das Politiker auch?
Das Interview: “Sanktionen für Arbeitslose abschaffen”
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